“Hire slow, fire fast!”
Bei einer Unternehmensgründung in der digitalen Welt sei vor allem der schnelle Marktausbau wichtig, so Nikita Fahrenholz, COO der Online-Bestellplattform Lieferheld, der am Donnerstag als Hauptreferent des 38. Gründerfoyers von Dresden Exists, dem universitätsnahen Inkubator der TU Dresden, im Dresdner Hörsaalzentrum sprach. „Sticky“ müsse ein neuer Onlinedienst sein, am Benutzer also kleben wie eine Klette. Bei Lieferheld gelinge dies, da Kunden nicht immer wieder neu gewonnen werden müssten, sondern nach der ersten Bestellung in der Regel von allein wieder den Weg auf die Website fänden. Fahrenholz unterstrich damit die Aussage seines Vorredners Prof. Dr. Ralph Sonntag, Dekan der wirtschaftswissenschaftswissenschaftlichen Fakultät der HTW Dresden: bei einer Innovation zähle letztlich die Verpackung mehr als das Produkt selbst.
Neben diesem Grundsatz gab Fahrenholz den studierenden (künftigen) Gründern im Hörsaalzentrum der TU Dresden noch weitere praktische Hinweise mit auf den Weg:
- Zunächst muss die Nachfrage geklärt werden – löst mein Produkt ein wirklich bestehendes Problem?
- Sodann: ist meine Idee wirklich realistisch umsetzbar?
- Wie kann ich den Erfolg meines Unternehmens nachvollziehbar messen?
- Wie finde ich passende Mitarbeiter?
Vor allem zu letzterem Punkt betonte er, dass freundschaftliche Verbundenheit zu den Mitgründern oft weniger wichtig ist als deren technisches Knowhow. Drei BWLer bräuchten zur Umsetzung einer noch so guten Idee nun einmal zwingend auch einen oder mehrere „Techies“, um diese Idee auch tatsächlich verwirklichen zu können. Wenn diese Fragen geklärt wären, kann und muss man sich schließlich um die Finanzierung kümmern, um einen möglichst großen Marktanteil zu erreichen und die Konkurrenz schnell zu überflügeln.
Fahrenholz beendete seinen Vortrag schließlich nach 45 Minuten, indem er dem gut gefüllten Hörsaal Pizzen spendierte, die er zuvor „live“ bei Lieferheld bestellt hatte. Auf der sich anschließenden eigentlichen Gründungsmesse stand er noch eine Weile Rede und Antwort, während ambitionierte Dresdner Gründer durch seinen authentisch wirkenden Vortrag inspiriert, ob der in ihm zutage tretenden kapitalistischen Realität vielleicht aber auch ein wenig desillusioniert den Kontakt zu möglichen Financiers suchten. Aus Schaltzeitsicht spiegelte das 38. Gründerfoyer letztlich bezeichnend das Aufeinanderprallen von Wissenschaft und Praxis der Unternehmensgründung wider.
AB

