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trendZeit: Obdachlose als 4G Hotspot – Soziale Werbekampagne oder makabere Degradierung?

15. März 2012 Allgemein, Blog, Creativity, Entrepreneurship, Innovation Management, Marketing, Technology Trends, Telekommunikation, Trendzeit
trendZeit: Obdachlose als 4G Hotspot – Soziale Werbekampagne oder makabere Degradierung?

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Es brauchte eine Weile, bis sich herausstellte, dass diese Kampagne keine Parodie ist. Obdachlose wandern in Austin, Texas während dem Southwest Music Conference and Festival (SXSW) ausgestattet mit einem 4G Hotspot durch die Straßen. Erkenntlich machen sie sich mit einem T-Shirt, auf dem „Bartle Bogle Hegarty (BBH)“ ins Leben gerufene Wohltätigkeits-Initiative. BBH  beschreibt die Idee um den menschlichen Hotspot als moderne Form der Straßenzeitung. Laut eigenen Angaben geht es ihnen dabei jedoch keineswegs um einen kommerziellen Vorteil, sondern man hofft auf Nachahmung in anderen Städten.

Das Blog ReadWrtiteWeb beleuchtet die Idee der „Modernisierung der Straßenzeitung“ hingegen eher kritisch. „There’s a wee little difference, though. Those newspapers are written by homeless people, and they cover issues that affect the homeless population. By contrast, Homeless Hotspots are helpless pieces of privilege-extending human infrastructure.“ Saneel Radia von BBH Labs lenkte daraufhin zwar ein, verwies aber auf die Prioritäten des Projektes. „This campaign [...] makes homeless people visible by creating an opportunity for a conversation. I look forward to talking to some of these mobile hotspot workers now that I know they’re out there.“ 

Jon Mitchell, der Autor des ReadWriteWeb Artikels, hat sich im Anschluss auf die Suche nach einem Hotspot- Träger gemacht und traf Mark. Ein intelligenter Mann, dem das Leben übel mitgespielt hat. Mark selber genießt die Möglichkeit, mit Menschen sprechen zu können. Er ist dankbar über das Projekt und sieht für sich ein lukratives Geschäft.

Die entstandene Diskussion, ob das Modell Obdachlose degradiert oder ihnen bessere Chancen auf einen ohnehin schon schwierigen Minimalverdienst bietet, bringt einen nicht unwesentlichen Effekt mit sich. Sie nimmt Menschen in die Pflicht, sich neben des technischen Clous, Menschen als Hotspot einzusetzen,  mit der Problematik der Obdachlosigkeit auseinanderzusetzen. Wenn man das mit „Homeless Hotspot“ erreicht, dann hat man theoretisch schon zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen. Zum einen das Zubrot, das sich die Obdachlosen verdienen können. Zum anderen die Auseinandersetzung mit ihren Lebensumständen.

Im Gegensatz zu den wenigen Geschäftsmodellen, die Wohnungslosen überhaupt zu Verfügung stehen (wie beipielsweise der Verkauf von Obdachlosenzeitungen) werden potentielle Abnehmer hier von sich aus auf den Verkäufer zugehen, da sie von seinem Angebot tatsächlich profitieren. Wer also beispielsweise als internationaler Gast auf Messen wie der Cebit oder auf Flughäfen unterwegs ist, aber teures Datenroaming vermeiden möchte, wird solche Angebote schätzen und dafür proaktiv diesen Dienst in Anspruch nehmen. Die Rolle des Bittstellers, zu der Obdachlose oftmals gezwungen sind, dreht sich hier um. So wäre zumindest zu hoffen, dass man hinter den Menschen mehr als einen Wi-Fi Zugang sieht und sich durch den Kontakt auch vermehrt ihrer Umstände bewusst wird. Das Pilotprojekt lief nur bis Dienstagabend. Es wird nun abzuwarten sein, ob sich Nachahmer finden.

Bis dahin sollten natürlich alle bestehenden Unterstützungsmodelle fleissig genutzt werden: Spenden, Lebensmittel, Schlafgelegenheiten und soziale Kontakte sind in den meisten Fällen immer willkommen.



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