The Black Forrest – Webscout Kongress 2011

Am Rande des Schwarzwaldes oder auch “The Black Forrest” liegt das schöne badische Städtchen Karlsruhe, in welches ich mich am 17. Mai in Vertretung für die Schaltzeit begeben habe, um am zweiten Webscout Kongress teilzunehmen. Der Tag begann mit Kaffee am nett aufbereiteten Frühstücksbuffet. So konnte man sich einen guten Überblick über die Gäste verschaffen und erste Gespräche wurden geführt. Es war anfangs noch recht übersichtlich, da aus Staugründen auf der Autobahn einige Gäste verspätet eintrafen. Man lernte schnell die Teilnehmer kennen und es herrschte zu keiner Zeit angespannte, auf Etikette-achtende Stimmung. Sehr angenehm.
Den Auftakt in die Vortragsrunde gab Stefan Schlentrich, Steinbeis-TransferzentrumCommunication. Thema: Krisenmanagement. Wie kann eine Krise im Unternehmen entstehen? Wie geht man öffentlich damit um? Wie kann man sie abwenden? Alles an Beispielen dargestellt, nur eine Best Practice Strategie hatte ich vermisst. Ein Vortrag wie ein guter Film bei dem das Ende fehlt.
Ruben Wojtecki, construktiv GmbH gab im zweiten Vortrag einen Rückblick auf die Anfänge des Webs und erklärte Social Media anhand von Kampagnen wie beispw. Burger King. Für meinen Geschmack etwas zu dünn. Den Teilnehmern dieses Kongresses musste man die Thematik nicht näher erläutern, es füllt ja bereits zu großen Teilen ihren Beruf aus. Gerne hätte ich Konzepte, Kampagnen, Strategien aufgezeigt bekommen, die tiefer gehen und wirklich einen Einblick geben können, wie weit man im Bereich Social Media gehen kann. Ein Film den ich schon fünf Mal gesehen habe.
Beim nächsten Vortrag regten sich die ersten Diskussionen. Dr. Horstmann vom TNS Emnid Marktforschungsinstitut stellte die Formen der Reichweitenmessung vor und welche neuen Entwicklungen es gibt, um Telefonakquise zukünftig vermeiden zu können. Zum einen gibt es da eine Onlineversion. Diese scheint jedoch viel zu kompliziert, zumindest nach Beurteilung der Stimmen um mich herum. Eine andere Methode ist ein in den USA entwickelter Sender, der automatisch die Signale von Radiosendern und TV Sendern aufnehmen kann und somit extrem genaue Reichweitenmessungen durchführen kann. Voraussetzung dafür ist, dass alle Sender einen Code in ihr Signal einbauen müssen, damit der Sender diesen empfangen und entschlüsseln kann. Beim abendlichen Umtrunk und Networken hatte ich das Vergnügen mich mit Herr Dr. Horstmann nochmals ausführlich über die Problematik zu unterhalten. Die Umstellung auf die besagten Codes würde die Sender viel kosten und zusätzlich kann man davon ausgehen das die großen Sender bei der genauen Messung Zuschauer verlieren werden. Das will man natürlich vermeiden und aus diesem Grund hat es der Sender gerade schwer auf dem deutschen Markt. Neben diesen vorgestellten Methoden schallte natürlich die Frage in den Raum wie man Reichweite im Netz misst. Dr. Horstmann ist der Meinung, dass wir das nicht können. Zack, da war sie, die erste große Diskussion. Marktforscherargument war, dass es keine sicheren Daten von User gäbe und somit keine Repräsentativität besteht. Da mag sicherlich etwas dran sein, aber ich kann auch nicht sicher davon ausgehen, dass alle am Telefon Befragten mir richtige Informationen geben. Zudem räumte Dr. Horstmann ein, dass er es erstaunlich findet, dass sich die Deutschen beim Thema Marktforschung so versessen auf Datenschutz sind und so wenig wie möglich über sich Preis geben. Im Netz hingegen sind scheint man freizügiger denn je mit seinen Daten umzugehen. Ja stimmt, liegt wohl daran das sich eine Masse in den Weiten des Webs immer noch anonym fühlt. Trugschluss, wissen wir. Aber die Gefahr ist auch dem Marktforschungsinstitut klar: sie werden wohl ein Teil des Geschäftes an Google & Co. Abgeben müssen.
Mittagspause.
Weiter geht’s. Leider fällt wegen Fieber der Web Monitoring Vortrag aus. Sehr schade, hätte ich gerne gehört, zudem der Vortragende auch gut sein soll. Also zum Nächsten: Rufmord im Internet. Spitzenthema. Ich wurde nicht enttäuscht. Die beiden Fachanwälte für IT-Recht Prof. Dr. Thomas Dreier und Dr. Oliver Meyer- van Raay hielten einen juristisch anspruchsvollen, aber zu keiner Zeit öden Vortrag. Spannende und anschauliche Fallbeispiele gaben einen Einblick in das Persönlichkeitsrecht über Caroline von Monaco hinaus. Von solchen Professoren hätte ich zum meiner Hochschulzeit gerne auch mehr gehabt, hätte möglicherweise meine Anwesenheit gesteigert. Media Monitoring war der vielversprechende Titel des nächsten Vortrages. IBM Verantwortlicher für Presse und Öffentlichkeit, noch vielversprechender. Meine Neugier war geweckt und war mit dem ersten Satz dahin. Unter einem IBM Pressesprecher hatte ich mir wirklich etwas anderes vorgestellt. Definitiv kein Typ für Vorträge. Und der Vortrag an sich: Media Monitoring am Beispiel Stuttgart 21. Ausgelutscht, langweilig, schwammig. Da ich mir hier jedoch am meisten erhofft hatte, fällt das Urteil natürlich dementsprechend am Härtesten. Zudem er auch nach seinem Vortrag gleich verschwunden ist und damit keine Diskussionsmöglichkeiten geboten hat.
Es folgte: Frauenpower. Female Shift – Frauen in der digitalen Gesellschaft. Klingt vielversprechend. War es nicht. Maren Martschenko hatte Thesen aufgestellt die in mir sofort zucken verursachten. Vergleiche zwischen dem Einkaufsverhalten von Frauen in Einkaufszentren und Konsumverhalten im Internet, bezogen auf Inhalte. Das geht doch nicht! Ich kaufe definitiv anders als ich Inhalte konsumiere, die Brücke kann man nicht schlagen. Zudem vorher schon die Aussage im Raum stand, dass nach eigener Untersuchung durch Soziale Netzwerke und Blogs Frauen weniger Inhalte liefern als Männer. Hm, schon da war ich skeptisch, zumal sie leider die Frage nach der befragten Zielgruppe nicht beantworten konnte. Nach meiner Analyse, natürlich in keinem Falle repräsentabel, sind es vorallem die Frauen die meist persönliche Empfindungen in meinen Kanälen Preis geben. Und diese Meinung bestätigte sich auch in anschließenden Gesprächen mit anderen Teilnehmern. Konform gehe ich mit der Studie die besagt, dass sich Frauen in Sozialen Netzwerken gerne mit Katzen beschäftigen. Wiederum erschreckend ist, dass der durchschnittliche Social Media Nutzer Astra Bier trinkt. Unfassbar.
Pause, puh, die brauch ich auch.
Nun die letzten beiden Vorträge des Kongresses. Soviel vorweg: das waren meine Highlights. Jens Fauldraht und Prof. Dr. Dirk Lewandowski haben auf unglaublich unterhaltsame Art und Weise die Macht von SEO dargestellt. Dabei bilden sie ein perfektes Paar aus Wissenschaftler der SEO aus Usersicht erforscht und Geschäftsmann mit marktwirtschaftlichem Blick (wobei er auch Dozent ist!). Spitzenduo auf jeden Fall. Zuletzt führte der Jurist Thomas Schwemke in die Tücken von Facebook ein und zeigt rechtliche Fallen auf. Wirklich sehr guter Vortrag und welcher zudem noch super aufbereitet wurde. Anschaulich und wenig Paragraphensalat. Von allen Präsentationen, habe ich aus dieser am meisten mitgenommen. Zum krönenden Abschluss des Abends gab es noch ein paar kühle Blonde, viele Gespräche und Gelächter. Allem in allem ein gelungener Kongress. Nächstes Jahr komme ich gerne wieder.
JW



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