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Geeks, Nerds & Co: re:publica 2011

20. April 2011 Allgemein, Creativity, Dia(b)log, Innovation Management, Marketing, Messe, Technology Trends, Veranstaltungen

Mit typischem Aprilwetter startete dieses Jahr die 5. re:publica. Mit dabei: Schaltzeit. Wir ließen uns die Laune nicht verderben und starteten voller Erwartungen unsere Vortragsrunde mit „Design Thinking“ und „Wenn Linke Linke verlinken“. Letzterer Vortrag zielte darauf ab den Zusammenhang zwischen Meinungsbildung und sogenannten Echo Chambers zu erläutern. Er warnte zudem davor sich zu sehr in seinem Echo Umfeld im Netz zu bewegen, da man dort meinst auf jene trifft die die eigene Meinung teilen. Somit droht der kritische Blicke und die Offenheit ggü. anderen Ansichten verloren zu gehen.
Highlight des ersten Tages war die um ein Jahr weiter entwickelte Selbststudie der Trollforschung von Sascha Lobo, dessen Ergebnisse er einem restlos besetzten Friedrichstadtpalast unterhaltsam präsentierte. Trotz massiver Vorwürfe Lobos gegen sein eigenes Publikum, welches ihn durch seine schlechte Arbeit dazu zwänge in Talkshows zu gehen und damit Geld zu verdienen, gab es Gelächter und Applaus, wie er einzig war auf der gesamten re:publica (zumindest bei allem was wir gesehen haben).


Sascha Lobo stellt jüngste Erkenntnisse aus der Trollforschung auf der re:publica vor.
(cc) Jonas Fischer/re:publica

Schlussveranstaltung des ersten Tages war die Powerpoint-Karaoke. Aus einer Vielzahl von unterschiedlichen Powerpoint- Präsentationen, welche alle gestaffelten Schwierigkeitsgraden unterlagen, konnten sich Teilnehmer aus dem Publikum einen aussuchen und vortragen. Clou war natürlich, dass die Beschreibungen auf dem Bewerbungsbogen nur sehr vage waren und keine klare Vorstellungen zuließen. Mehr oder weniger wurde die Herausforderung gut umgesetzt. Nach den ersten fünf Vorträgen haben wir den Saal verlassen, da wir uns einig waren mit den ersten beiden die unterhaltsamsten mitgenommen zu haben. Welcher Vortrag nun also von der Jury, bestehend u.a. aus Ulrike Sterblich, Nilz Bokelberg, Sylvie Reinhard, Michael Brake und Philipp Albers gekührt wurde, können wir demnach nicht sagen. Mit einem Feierabendbier im Keller der Kalkscheune und nettem Geplauder endete dieser Tag.
Der zweite Tag sollte nun alles Toppen. Bereits Vormittag konnte uns Sebastian Deterding mit seinem sehr umfangreichen und grafisch sehr gut aufbereiteten Vortrag zu Gamification überzeugen. Er arbeitet und publiziert international zu persuasivem Design, den motivationalen und sozialen Dimensionen von Computerspielen, Gamification und der Politik neuer Medien und spricht regelmäßig auf Events wie dem Gamification Summit, Gamescom, reboot oder Playful.
Am Nachmittag hielt, der von uns mit großer Neugier erwartete Maxwell Salzberg einen Vortrag zu seinem heiß beobachteten Projekt Diaspora, welches er gemeinsam mit 3 Kommilitonen der University of New York aufbaut. 2 Gründe warum man auf Diaspora aufmerksam werden sollte:

1) Das dezentrale Social Network bietet die Möglichkeit seine Daten auf dem eigenen Server zu hosten und über Peer-to-Peer mit anderen Servern zu verbinden. Somit müssen keine privaten Daten an einen Plattformbetreiber (z.B. Facebook) herausgeben werden.
2) Mit einer Finanzierung über die Crowdfunding Plattform kickstarter konnten mehr als 200.000 USD eingespielt werden. Damit haben die Jungs eine 2000%ige Förderung der ursprünglich angestrebten 10.000 USD erhalten.
Zu unserer Enttäuschung war der Saal nur mäßig gefüllt. Bei dem Thema hätten wir definitiv mit einem Ansturm von Zuschauern/Zuhörern gerechnet. Na gut. Wir hatten uns mit etlichen Fragen im Petto gleich mal neben dem Mikro positioniert, um in der anschließenden Fragerunde alles loswerden zu können. Der Vortrag lieferte nicht unbedingt das was wir erwartet haben. Eigentlich überhaupt nicht. Keine Erklärung dazu, wie es in dem Code der Pre-Alpha-Phase zu den großen Sicherheitsmängeln kommen konnte, sodass Hacker gleich am ersten Tag den Server der Jungs hackten und Zugang zu allen Daten der Test- User hatten. Somit war das ganze Geschäftsmodell, welches genau diese Sicherung der Daten vorsieht, schwer in Kritik geraten. Stattdessen erklärte uns Salzberg (nein, es ist kein Pseudonym!) seine 9 Gebote, mit denen man erfolgreich ein Projekt, welches man liebt (ja, er ist Amerikaner) stämmen kann. Versteht mich nicht falsch, – der Vortrag war nicht schlecht, – schon allein weil Salzberg ein überaus wirklich sympathischer Nerd ist, der keine Routine im Vortragen ausstrahlt, obwohl er sicherlich schon einige Vorträge gehalten hat. Gerade das macht in nicht weniger sympathisch. Es war aber nicht zu verkennen, dass das Publikum nicht viel mit den Informationen anfangen konnte und mehr erwartete.

Maxwell Salzberg beim Vortrag zu Diaspora.
Maxwell Salzberg und Diaspora.
(cc) Jonas Fischer/re:publica

Der größte Teil der Fragen im Anschluss zielte auch auf die in der Programmierung verwendeten Programmiersprachen und -standards ab. Nicht immer freundlich: es standen sich der klassische US amerikanische Nerd mit Brille, T-Shirt, Sneakers mit großen Vision und der klassische deutsche Dunkelkammer-Nerd in schlabbrigen Klamotten und obligatorischem Hang zum Open Source Militarismus gegenüber. Wir waren anschließend leicht beschämt ggü. unserem deutschen Publikum und nahmen uns vor Salzberg abzufangen, um jene Fragen die uns noch auf der Seele brannten loszuwerden.
Es gelang uns. Das Interview findet ihr im Blog.

Warten auf Salzberg.
Schaltzeit: Warten auf Salzberg.

Der 3. Tag ließ wieder Sonne zu und starte zugleich auch mit einem der besten Vorträge der re:publica. In „Information, Gestalt und Prognosen zum Leben von morgen“ gewährte uns der Franke Steffen Hoellein Einblicke in seine Arbeit als Grafiker, welche er auf der Grundlage der klassischen Moderne stützt. Lehrreich, unterhaltsam und sehr sympathisch. Anschließend ging es zu Patrick Meier der stellte uns das Projekt „Task Force“ vor, ein Programm, welches ermöglicht Maps zu erstellen und Orte plus Infos zu markieren. Angewandt wurde diese Maps bspw. in Lybien um Informationen rund um die Proteste zu mappen.

Beendet haben wir die re:publica mit einer Bootstour auf der Spree.

Was bleibt war eine durchmischte re:publica die geprägt war von Informationsveranstaltungen rund um aktuelle politische und gesellschaftliche Themen, welche jedoch leider nicht ausreichend vertieft wurden. Zugleich wurden die aktuelle Netzthemen die wir besonders spannend gefunden hätten, nicht hinreichend präsentiert. Schlussendlich ist die re:publica immer noch ein Klassentreffen von Bloggern, Social Media Nerds und anderen Netzgeeks. Wir sind uns aber sicher, dass dies mit der steigenden Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit nicht mehr lange so bleiben wird. Ob dies gut oder schlecht ist, muss jeder für sich entscheiden. Die Schaltzeit wird es tun. Nächstes Jahr.


Blogger unter sich.
(cc) Anja Pietsch/re:publica

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