YouTomb: Gedenktafel für tote Videolinks
Was passiert eigentlich mit den Videos, die von YouTube (oder anderen Videoplattformen) aufgrund von Urheberrechtsverletzungen gelöscht werden? Keine Ahnung. Sie bekommen zumindest einen Eintrag auf YouTomb, dem Friedhof unserer schnelllebigen Internet-Clip-Kultur.
“YouTomb” heißt ja nix anderes als “DeinGrabstein” und vermerkt alle Videos, die von YouTube gelöscht wurden, mit ihren Metadaten. Zu dieser anderen Art der Grabinschrift gehört unter anderem der Name des Users, der den Film bereitgestellt hatte, und der Zeitraum, in dem der Clip auf der Plattform zu sehen war.
Dabei handelt es sich um keine Spielerei, sondern um ein ernsthaftes wissenschaftliches Projekt. YouTomb ist ein Projekt der studentischen Organisation MIT Free Culture, wobei MIT für das Massachusetts Institute of Technology in Cambridge (USA) steht. Die MIT-Studenten wollen den Prozess der Clip-Löschung transparenter gestalten, als es YouTube derzeit macht.
Es geht aber auch um fragwürdige Entscheidungen rund ums Copyright und das Aufstöbern von Urheberrechtsverletzungen. YouTomb stellt die gelöschten Videos jedoch nicht erneut auf seinen Seiten bereit, sondern nur einen Screenshot mit den zugehörigen Metadaten – ebenso wie ein Grabstein nur die Inschrift enthält und nicht die Leiche.
Verrückt ist die Sache schon. Während die Zahl der anonymen Bestattungen zunimmt, ist der Trend im Netz gegenläufig. Jede Information, jeder Datensatz, sprich: jeder Name wird festgehalten, gespeichert und ausgewertet. Wie auch immer: Der Werdegang eines Videoclips von YouTube zu YouTomb ist kein Vorbild für ein menschenwürdiges Erdendasein. Zwischen DeinerGlotze und DeinemGrabstein dürfte noch mehr drin sein.
Bildquelle: YouTomb

